Warum mich Schlangen, Spinnen und
Insekten weniger stören als die komische Idee, dass Zeit verkauft werden kann
und ich mich irgendwo im Nordosten Brasiliens mehr zuhause fühle als in meinem Heimatort.
Es ist Sonntag 19.1.14, kurz vor 5 Uhr morgens und ich komme endlich im winzigen Flughafen-Teresina an. Seit Freitag kurz nach der Musikvermittlungsvorlesung in Bern bin ich non-stop auf Reise und kann es noch gar nicht fassen wieder in Piaui zu sein. Schon kommt der uralte Mini-bus vollgestopft von meinen Schülern und ein paar Geigen, eine Bratsche, ein Cello und eine Gitarre: sie wollten mir als Überraschung bei der Ankunft vorspielen.
Das Projekt Música que Transforma gehört seit 2011
zum Verein Dádiva de Deus in der
Umgebung von Nazária (Piaui, Brasilien). Mittlerweile sind es knapp 20 Musikschüler,
zwischen 7 und 17 Jahren, die zur Musikschule Tehillah gehören. Da die Kinder oft Zuhause keinen richtigen Halt
haben, ist die Gruppe für alle zu einer zweiten Familie geworden. Für mich war
es zuerst etwas eigenartig als die Kleinsten angefangen haben mich Tante, Mama
oder zum ärgern auch mal Oma zu nennen. Nun sind sie auch mir in den 3 Jahren
zu jüngeren Geschwister geworden.
Warum gerade nach Piaui? Warum
Musik? Und weshalb braucht es überhaupt Veränderung?
Die Antwort ist ganz einfach:
Es sind eben diese Kinder die mich begeistert haben. Mir wurde bei diesem 3.
Besuch noch mal bewusst, dass das Lernen am Instrument gar nicht das Wichtigste
ist. In einer von Armut geprägten Umgebung muss das Projekt Música que Transforma mit einem sehr
kleinen Budget auskommen. Das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Liebe ist aber
noch viel dringender als der Wunsch um bessere Umständen.
Für echte Veränderung braucht
es uneingeschränkte Zeit und wegen ihrem verletzten Vertrauen brauchen die
Kinder vor allem bedingungslose Hingabe:
Musikunterricht ist daher
nicht das Ziel selbst, aber ein schönes und vielseitiges Mittel um es zu
erreichen.
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